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Die Wahrheit siegt, aber sie kann nur siegen, wenn sie gesagt wird. (Johann Hus 1369-1415)

Briefwechsel mit Dr. Ratzinger

Uns liegt ein mehrjähriger (von 1965 bis 1976) Briefwechsel zwischen Univ. Prof. Dr. Joseph Ratzinger (dem jetzigen Papst Benedikt XVI) und einem etwas weniger bekannten bereits Verstorbenen vor. Es werden darin hauptsächlich die geistigen Hintergründe von Angelo Roancalli, dem späteren Papst Johannes XXIII, und dem Zweiten Vatikanischen Konzils, das am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde und bis zum 8. Dezember 1965 dauerte, dargelegt. Abgesehen von diesen meist theologischen und persönlichen Erörterungen sind wir dabei quasi nebenbei auf ein Dokument gestoßen, auf das wir hier näher eingehen möchten und dessen anfängliche Gedanken wir hier weiterführen wollen.

Klugheit und Gewissen:
Es geht in etwa darum, dass oft sehr wohl empfunden wird, was gut und böse ist d.h. was das Gewissen als solches dafür hält. Die meisten Entscheidungen im Leben empfindet man aber nicht als eine Entscheidung zwischen gut und böse, sondern bestenfalls als klug und unklug und weil man nicht sicher ist, was man tun soll, man auch schon mal einen Astrologen oder etwas anderes als Entscheidungshilfe in Anspruch nimmt. Jeder kennt Situationen im Leben, wo er bewusst böse gehandelt hat. Diese Dinge, so glauben wir, wird auch jeder irgendwie zu bereinigen versuchen. Bräuchten wir für diese Dinge eine Religion ? Primär suchen wir eine Religion als Entscheidungshilfe für den „Freiraum“, der außerhalb von den gut/böse Entscheidungen steht. Am besten wird dies vielleicht durch die Gruppe von Leuten zum Ausdruck gebracht, die sagen: bestohlen habe ich niemanden und umgebracht habe ich auch niemanden, was soll mir schon passieren, wenn ich sterbe. D.h. Religion wird leider nicht als Lebens- und Entscheidungshilfe erkannt, was es aber sehr wohl sein kann. Uns liegt hier das Gleichnis mit den Talenten sehr nahe. Derjenige, der nur ein Talent hatte, hat es vergraben, weil er wusste, dass der Herr ein gerechter und strenger Arbeitgeber ist, der bei seiner Wiederkunft Rechenschaft fordert. Der Herr hat alle gelobt, die ihre Talente vermehrt haben. Dieses Gleichnis lehrt, dass es zu wenig ist, ein Leben nur zwischen gut und böse zu führen. Jeder hat Talente und es ist die Aufgabe eines Jeden, seine Talente zu vermehren. Wir haben aktiv an uns und an unserer Umwelt zu arbeiten. Diese Weiterentwicklung ist ein riesiger Weinberg, wo jeder seinen Platz und seinen Ort finden kann. Das Himmelreich gleicht einem Acker, in dem eine kostbare Perle vergraben liegt. Um sie zu erwerben, verkaufte eine Kaufmann alles was er hatte. Das Leben ist etwas, wo wir immer wieder alles investieren müssen, um noch Kostbareres zu erhalten. Der Kaufmann hat hier nicht zwischen gut und böse entschieden, sondern danach, was für ihn das Kostbarste ist. Sind wir heute so satt, dass uns nichts mehr kostbar ist ? Das Lachen eines Kindes sollte uns kostbar sein oder der Friede unter den Menschen, die Genügsamkeit eines Greises oder die Selbstzufriedenheit einer in sich abgeklärten Person. Keine Zeit vor der unseren hatte mehr Auswahl, unter den kostbarsten Dingen dieser Welt wählen zu können. Allein - es bedarf heute mehr Klugheit denn je zuvor, das Kostbarste darunter zu finden.