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Die Wahrheit siegt, aber sie kann nur siegen, wenn sie gesagt wird. (Johann Hus 1369-1415)

Trinität und gekreuzigter Judas

Auf der Internetseite des türkisch stämmigen Adnan Oktar haben wir einen Artikel gefunden, der Christen auffordert den Worten Jesu zu folgen. In 10 Kapiteln eines Buches wird hier wahrscheinlich die gängige islamische Sichtweise des Christentums aufbereitet.

Stellungnahme von gott.cooperative :

Das Lesen des zitierten Beitrags hat uns nicht nur des Umfangs wegen über das normale Maß hinaus gefordert. Nicht nur viele Wiederholungen und ähnliche Aufzählungen ermüden den Leser, sondern auch pauschale Verallgemeinerungen (wie etwa der Fernseher hat ein mieses Programm, alle Russen trinken Wodka oder alle Moslem sind Terroristen). Wichtiges und Richtiges steht hier in einem bunten Konglomerat mit weit verbreiteten, tiefen Unverständnissen. In geraffter Form erörtern wir hier daher nur einige für uns markante Stellen:

  • Quran letzte Offenbarung Gottes: Gott/Allah offenbart sich unablässig und nichts könnte existieren, geschweige denn leben, ohne das ständige Fluidum Gottes. Von einer letzten Offenbarung zu sprechen kommt einer Apokalypse gleich, und ist durch nichts zu rechtfertigen. Auch ist es vermessen anzunehmen, Gottes Weisheit ließe sich überhaupt (egal um welches Buch es sich dabei auch handeln mag) in irgendeiner Form nieder schreiben. Die Schriftgelehrten von Buchreligionen leben in ständiger Sorge, dass die kostbaren Perlen, die es zweifellos in niedergeschriebenen Werken gibt, verloren gehen könnten, und so sind solche Aussagen zu verstehen, die nur dem Machterhalt und der Einflussnahme dienen. Unser Artikel „heiliger Qur'an“ erörtert eine solche Kostbarkeit des Qurans. Andere Beiträge zu diesem Themenkreis: „Talmud, Bibel, Koran, ...“, „Religion und Politik“,  „Religion - überkommenes Kulturgut“,  ...
  • Trinität: Unsere Sonne ist für uns erträglich, da wir zu ihr einen gewissen Abstand haben. Niemand kann direkt in die Sonne blicken, ohne nicht dabei zu erblinden und niemand kann sich ihr nähern, ohne von ihr dabei verstrahlt zu werden. Genauso wenig können wir uns problemlos Gott annähern. Was wir als göttlich wahrnehmen ist eine bis zur Unkenntnis verstümmelte und abgeschwächte „Restmenge“ einer unvorstellbaren Urkraft. Zwischen Gott/Allah und uns sind eine Unzahl von Wesen/Geistern, die diese göttliche Urkraft abschwächen und sie uns so erst zugänglich machen. Es ist eine sehr traurige Tatsache und eine Folge des zunehmenden Materialismus, dass das Wissen um geistige Zusammenhänge und Wirkungsweisen schwindet und all diese feinen, abgestimmten göttlichen Formen nicht mehr wahr genommen werden. Gab es früher noch viele Selige, Heilige, Engel, Erzengel, Cherubim usw. so wird heute kaum mehr an Gott/Allah selbst geglaubt, da wir nur mehr in höchst verdünnten homöopathischen Dosierungen leben und vom Göttlichen keine Ahnung mehr haben. Der Himmel ist leer und man wundert sich heute über tausende Götter, die es früher angeblich einmal gegeben hat. So wie es in der Geometrie den goldenen Schnitt gibt, der in der Natur überall vor kommt und in der Architektur vom Menschen kopiert wird, lässt sich das Wirken Gottes mit der Dreifaltigkeit (wie immer man diese auch verständlich zu machen versucht), gut umschreiben. Es gibt nur wenig, das mit mehr Unverstand bedacht wird, als die Trinität - und die Dogmatisierung derselben durch ein verbeamtetes Priestertum beim Konzil von Nicäa hat auch nicht zur Vereinfachung oder Klärung beigetragen. Weitere Artikel von uns dazu sind: „Gott, Allah und/oder Dreifaltigkeit ?“, „Schöpfergott“, „Man muss Gott die Zähne zeigen“, „Wissenschafter und die Sprache Gottes“, „Erzengel Gabriel“, ...
  • Kreuzigung von Judas an Jesus statt: Der Kunstgriff, der hier im Islam gemacht wird, um der Gerechtigkeit in dieser Welt Genüge zu tun, ist fast liebenswürdig. Gott/Allah braucht allerdings keine solchen menschlichen Winkelzüge, um Propheten und auch Jesus Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Abgesehen davon wäre es eines Jesus unwürdig, wäre statt ihm ein Judas Iskariot gekreuzigt worden. Hier spiegelt sich am auffälligsten die recht oberflächliche, gegenständliche Sichtweise im Koran, die keine tieferen geistigen Zusammenhänge, keine feineren inneren Gesetzmäßigkeiten und auch keine ausgewogenere Gerechtigkeit kennt. Letztlich ist es auch ein Mangel an Gottvertrauen und am Glauben an der Größe Gottes, wenn man im Islam, so wie mit der Kreuzigung von Judas, etwa mit Taqiya Gottes Weg zu „verbessern sucht“. Ähnliche frühere Beiträge sind hier: „Der Verrat von Judas“, „Lass mich als Märtyrer sterben“, „Vorurteile gegen den Islam“, „Islam und Hammurabi“, „Warum wir sterben“,  ...
  • Armageddon und Jüngstes Gericht: Armageddon und Jüngstes Gericht sehen wir als zwei verschiedene Dinge. Das Jüngste Gericht findet nur in der Geisteswelt statt und betrifft den gesamten Kosmos, während Armageddon eine Umwälzung auf der Erde beschreibt, die in der Leiblichkeit und Körperlichkeit durchzustehen ist. Da wir alle sterblich sind, muss jeder ein „Mini-Armageddon“ durchleben. Gemeint war hier aber sicher ein größerer irdischer Exodus von fortgeschrittenen Seelen, der immer dann auftritt, wenn die existierenden geistigen Bedingungen diese Seelen in Gefahr bringen. Viele, die von Armageddon sprechen oder vorhersagen, sehen in Wirklichkeit nur die zukünftigen Früchte der eigenen schlechten Taten, und wir beten für jeden, der in solchem Geist sterben muss. Frühere Artikel zu diesem Thema: „Allein seligmachende ewige Verdammnis“, ...

Schlussbetrachtung: Der analysierter Beitrag verleitet anzunehmen, dass der Islam von den Fehlern im Christentum lebt, die es leider in großen Mengen gibt, und selber keine eigene tiefere geistige Spiritualität pflegt. Dabei hätte gerade Persien eine lange und alte Tradition, etwa in der Traumdeutung. Die Antwort darauf warum der "friedliche Islam" nicht besser gegen den Fundamentalismus vorgehen kann, ist, dass der fundamentalistische Islam leider oft eine größere Tiefe und Kraft hat.

 

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Die Ernte ist zwar groß, die Arbeiter aber sind wenige.
Bittet daher den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.

Matthäus 9,37