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Die Wahrheit siegt, aber sie kann nur siegen, wenn sie gesagt wird. (Johann Hus 1369-1415)

Priestertum

Unserer heutigen Gesellschaft fehlt es vor allem an einer selbstlosen Priesterschaft, die das Göttliche erahnen, erfahren und erleben lässt - einer Priesterschaft, die über alle irdischen Interessen erhaben ist und die Gottes Willen in unser Jetzt und Heute hineinträgt. Mit großem Interesse haben wir daher das päpstliche Schreiben „Evangelii Gaudium“ aufgenommen und auch etwa die Kommentare zur Absage eines Frauenpriestertums (z.B. von Abt Christian Haidinger und Sr. Beatrix Mayerhofer) verfolgt.

 

Stellungnahme von gott.cooperative :

Die meisten Diskussionen darüber bewegen sich darum, dass Jesus nur Apostel berufen hat, bzw. es zu der damaligen Zeit eben nicht anders sein hat können. Was Jesus vor 2000 Jahren für Beweggründe gehabt haben mag, ist Kaffeesudleserei und führt mehr oder weniger in die Leere, da jegliche Einbindung bzw. Integration in einen gesellschaftlichen Kontext fehlt. Dieser wird derweilen vor allem in zwei Dingen gesehen. Zum einen verstehen sich viele Priester als Animateure. Dieser Markt ist aber längst durch Fernsehn und Film gesättigt, und auch eine 100ste Liturgiereform (sei es nun lateinisch, vorkonziliär, alter- oder neuer Ritus etc.) bringt hier keinen Durchbruch. Wie das Beispiel des Studentenpfarrers Werner Kuchar zeigt, ist dieser Weg auch niemandem zumutbar. Inspiriert vom Kirchenlehrer Augustinus und seinem „De civitate Dei“ sieht sich heute der Großteil der anderen Priester als Beamte einer gottgewollten Hierarchie mit eigenen Gesetzen, die eine florierende Schattenjustiz fördern und etwa auch einen Kindermissbrauch nicht verhindern können. Nicht dass die Korruption und Gerechtigkeit in öffentlichen Körperschaften anders wäre, doch erhält dies angesichts einer in Europa sich einnistenden islamischen Parallelwelt mit einer Sharia (inklusive Gottesstaat bzw. Kalifat) eine neue und besondere Brisanz. In einer solchen Hierarchie geht es natürlich vor allem um Macht, Einfluss und letztlich auch um Intrigen und Geld. Man setzt den Platz, den man in dieser Hierarchie bekleidet direkt mit dem Platz im Himmelreich gleich und kämpft daher umso verbissener an einer Karriereleiter, da es ja hier auch um das eigene vermeintliche Seelenheil geht. Überflüssig zu sagen, dass beide Vorstellungen von Priestertum sowohl an den Bedürfnissen der Gesellschaft als auch an Gottes Plan vorbei gehen.

Der Mensch ist unvollkommen und in seinem geistigen (sprich göttlichen) Zustand eher ein Kretin. Bis zu seinem irdischen Tod sollte er aber soweit gewachsen sein, dass ihm das Göttliche vertraut ist und er den Tod als ein Hinübergleiten empfindet. Der Mensch an der Schwelle des Todes bringt auch am ehesten zum Ausdruck, was ein Priester sein soll, nämlich ein Grenzgänger zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Kulturgeschichtlich sind Priester aus dem Weisenrat bzw. aus den Dorfältesten hervorgegangen und dienten der Gemeinschaft durch ihre Lebenserfahrung und Lebensweisheit. Sterbende Familienväter gaben wie etwa bei Isaak durch ihren Segen Vollmachten und Besitzungen weiter. Alte Frauen und Mütter gaben bestens gehütete Geheimnisse zur Heilung von Krankheiten und von alltäglichem Nutzen weiter. Auch das Priestertum Jesu besteht vor allem darin, dass er vor seinem Tod all seine Weisheit und Vollmachten an seine Jünger übertrug. Ein Priester ist daher per definitionem ein sterbender Mensch, der letztlich bis zu seinem eigen Leben alles übergibt und daher auch keinerlei materielle Interessen verfolgt, nicht heiratet und auch keine Kinder zeugt (womit sich auch das Zölibat erklärt). Die Gesellschaft krankt heute vor allem an dieser Elternrolle, die noch nicht alle ihre Erziehungsaufgaben und Vollmachten an eine nebulose Wertegemeinschaft abgetreten hat - an Väter, die auch noch nach der Geburt zu ihren Kindern stehen und nicht nur als Bankomatkarten dienen und an Mütter, die ihren Kinder noch selber das wichtigste für das Leben mitgeben d.h. an Eltern, die noch echte Bezugspunkte und Leitfiguren für einen heranwachsenden Menschen sind. Wie will eine Gesellschaft Führungskräfte hervorbringen, wenn man nicht einmal die Verantwortung für die eigenen Kinder übernehmen kann ? Viele kommen mit ihrer Entwicklung nicht über die Pubertät hinaus. Man erreicht gerade einmal ein geschlechtsreifes Alter, wächst dann meist geistig aber nicht mehr in eine verantwortungsvolle Elternschaft hinein, sondern lässt sich viel eher scheiden und/oder geht den Weg der Alleinerziehung - eine Alleinerziehung, bei der man lieber alles selber macht, als gewisse Dinge einzufordern oder an andere abzutreten. Hier setzt auch das nicht mögliche Frauenpriestertum ein. Z.B.: eine „Brigitta von Schweden“ hat nie selber das Priestertum angestrebt, sondern von den Priestern die Rolle des nach der Zeugung eines Kindes sich nicht davonschleichen könnenden Vaters eingefordert. Hier zeigt sich auch die religiöse Rolle der Frau, die wie bei Maria als Königin oder Mutter der Apostel gesehen wird. Die Rolle Marias wird auf unserer Internetseite nirgendwo beschrieben, steht aber der von Jesus um nichts nach. Es sollte hier nur zu denken geben, dass einige Erscheinungen von Maria bekannt sind. Von Jesus gibt es solche fast nicht.

Conclusio:

Priester verstehen sich als die gesellschaftliche Überhöhung der Vaterrolle und sollten in dieser Funktion durch Erziehung, Belehrung und durch das gelebte Vorbild aufbauend, erhaltend, bewahrend, lenkend und leitend einer Gesellschaft (notfalls auch durch die Hingabe des eigenen Lebens) dienen. Dies versteht sich als nur einer von vielen Diensten an der Gesellschaft und steht im Gegensatz etwa zu dem eines Soldaten oder Kriegers. Ohne hier in alten Rollenbilder verhaftet zu sein, ist der weibliche Part nicht der einer Priesterin, sondern der einer erdigen und weltverbundenen Mutter, einer weisen Frau, einer weißen Hexe, etc. die als Königin oder Mutter über den Aposteln bzw. Priestern steht. Die Anregung von Papst Franziskus, dass Frauen mehr Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen sollten, verstehen wir in diesem Sinne und bedauern, dass er selbst sich von einem Kardinalsrat beraten lässt und nicht von Frauen in Anlehnung an eine „Klara von Assisi“. (Eine gute „Köchin“ hat für eine Gemeinde oft eine größere Bedeutung, als dutzende Pfarrgemeinderäte - gescheit reden tun eh schon viel zu viele). So wichtig und richtig die Einführung von Priesterseminaren zur Priesterausbildung durch das Konzil von Trient war, so wichtig und richtig wären heute neue Wege gefragt, die der Verakademisierung, reinen Verkopfung und Verbeamtisierung dieses wichtigen gesellschaftlichen Dienstes entgegenwirken und diesen Dienst in neue Bahnen lenken würden - von denen sind im päpstlichen Schreiben aber leider keine Ansätze zu erkennen.

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Der Erzieher verdient den Namen des Vaters mehr als der Erzeuger.
Talmund

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