Alle abrahamitischen Religionen leiden an einem ganz bestimmten „Gottestrauma“. Sei es nun ein Mahdi, ein Armageddon, einer Wiederkunft der Herrn oder sonst einem finalen und großen Gericht - einem apokalyptischen Schowdown zwischen Gut und Böse:
Für uns sind das krankhafte Auswüchse eines unausgereiften Glaubens und zeugen von einem großen Mangel an göttlichen, mystischem Wissen und Erfahrung. Nein - wir sind nicht gegen jede Art von Religion. Wir verdanken Religionen sehr viel von unseren religiösen Erfahrungen. Dennoch - wir haben in ihnen keinen Platz mehr, so wie man im Laufe seines Lebens dem Kindergarten entwachsen ist und sich nicht mehr wie eine Kind damit verbinden kann.
Nur zu gerne stellt sich der Mensch Gott als Bauer eines Ponyhofs vor, wo alles in Gold und Silber leuchtet. Dass das alles aber eine Welt ist, in der Kräfte wirken, die weit über unseren Vorstellungskräften liegen und jeder der diesen Kräften nicht gewachsen ist die Hölle erlebt, scheint den Wenigsten bewusst zu sein. D.h. Armageddon ist nicht irgendwann und irgendwo, sondern alltägliche Realität für jeden, der sich zu weit aus dem Fenster lehnt und die Realität nicht richtig einzuschätzen vermag. Allen jeden, die meinen ihre eigenen berechtigten Ängste anderen durch ein Armageddon unterjubeln zu müssen, könnten wir hier einiges und so manches in ihre Tagebücher schreiben!
Schon im Mittelalter vertraute man nicht auf Gott, sondern durch die Hexenprozesse mehr irdischen und vergänglichen Mächten. Wie der Fall von Prof. Dr. Hubertus Mynarek (1929-2024) demonstriert, sucht man Wahrheit und Gerechtigkeit auch heute noch lieber bei weltliche Gerichten. Richten sich all jene, die Wahrheit und Gerechtigkeit predigen, dadurch nicht selber? Wen wundert es, dass diese die ersten sind und am lautesten ihr eigenes Gericht mit dem Untergang der Welt herbeireden? Keine Frage, auch wir werden einst vor unser Gericht gestellt werden, so wie wir solche Gerichte schon öfter erleben mussten. Den alten Adam auszuziehen und einen neuen Adam anzuziehen ist mitunter sehr schmerzhaft – wie jede Geburt. Gott ist aber immer ein lohnendes Ziel und wer nicht dazu bereit ist, sollte es auch nicht mit blumigen samtigen Predigen (Lügen) versuchen wollen oder gar sich gegen von Gott selbst Gesalbte erheben.1
1Hubertus Mynarek hatte sicher nicht mit allem was er sagte recht. Er wäre aber ein sehr guter Einstieg in einen tieferen, reiferen und ehrlicheren Glauben für viele gewesen. Diejenigen, die lautstark Wahrheit und Gerechtigkeit predigen fürchten diese mehr als der Teufel das Weihwasser. Die Heuchlerei ist unerträglich und es sind genau diese Kreise, die uns den heutigen geistigen Ruin beschert haben.2
siehe auch:
kostbare Perle
Brandmauer?
politischer Jesus II
2ich bin katholisch