Englische Krankheit I
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- Kategorie: Leitartikel
- Erstellt: Samstag, 15. März 2025 03:57
- Zuletzt aktualisiert: Samstag, 15. März 2025 07:38
- Geschrieben von Famulus
1. (historischer/kolonialistischer) Teil
Der Volksmund versteht unter der „englischen Krankheit“ Rachitis, d.h. Vitamin D Mangel. Mit Skorbut ist es eine der häufigsten Krankheiten unter denen Seefahrer zu leiden hatten. Niemand ist damit so berühmt/berüchtigt geworden wie die Anglikaner bzw. Briten. Es muss etwas besonderes bei diesem Volk geben, das solches in dieserer Weise begünstigt. Ist es die Isoliertheit und Abgeschiedenheit eines Insellebens, der viele Regen und/oder das raue Klima, das nur durch den Golfstrom etwas erträglicher wird oder ist es nur die eigenartige Mischung von alledem? Gibt es nur hier diesen besonderen Menschenschlag, der hier umweltbedingt über Generationen gedeihen konnte?
Nicht einmal die Römer konnten diesem Land, das nach der großen Eiszeit besiedelt wurde, eine dauerhaft staatstragende Prägung geben. Lokale Warlords & Earls sowie Menschen, die sich gerne hinter Zäunen und Mauern verstecken, prägen dieses Land bis heute. Wenn diese Inselbewohner aus ihren „my home is my castle“ hervorkriechen, so ist es meist der Hunger, die Not oder sonstige widrige Umstände. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr mystische, magische, skurrile, kriminelle oder schräge Geschichten und Legenden als hier. Sei es nun eine Agathe Christie (15.Sep. 1890 – 12.Jän. 1976) oder eine Joanne K. Rowling mit ihrem Harry Potter oder all die Figuren wie Sherlock Holmes und Jack the Ripper. Mit Robin Hood, dem Zauberer Merlin und Geschichten über die Nebel von Avalon gehen diese Legenden und Sagen weit in die Vergangenheit zurück. Ein russischer Rasputin nimmt sich dagegen wie das Rumpelstilzchen aus einem fernen Märchen aus, wobei man hier wohl noch anmerken darf, dass das russische Zarenreich mit dem britischen Adel verbandelt war und eigentlich nie russisch war d.h. die hier so bezeichnete „englische Krankheit“ hat beträchtlich auf andere Weltteile „abgefärbt“.
Nun – damit wären wir nach den vielen Legenden und Mythen sicher im wirklichen realen Leben angekommen. Wenn auch nicht immer alles wahr sein wird, was man sich erzählt, so muss es dennoch eine eigenwillige Suppe geben, die hier ständig am köcheln ist und erst so einen derartigen Dunst verbreiten kann. Der Übergang von schwerer obskurer Kriminalität zur feinen mit Samthandschuhen ausgeführten Intrige ist hier fließend wie sonst nirgendwo, was etwa ein Jonathan Wild bestens zu illustrieren wusste:
Um dieser die letzten Jahrhunderte überwiegend prägenden menschlichen Spezies von Seefahrern, Piraten und Seeräubern vollends gerecht zu werden, seien hier noch die Namen Sir Francis Drake (im Namen seiner Majestät Königin Elisabeth I) und Sir Walter Raleigh erwähnt. Bei der Vernichtung der spanischen Armada (1588) hat ja wohl ein Dieb den anderen Dieb beraubt. Beim Brand von London 1666 hat man sich bei der Schuldfrage gar bei Kaiser Nero im alten Rom bedient. Keine Frage, dass ein solches Volk auch eine eigene Religion gegründet hat und man die gesamte Welt mit allen nur möglichen -ismen bedient - sei es nun der Kapitalismus, Atheismus, Darwinismus oder seien es auch nur Orwell'sche Ergüsse; selbst der Marxismus und Kommunismus haben hier ihre Ursprünge, auch wenn man damit überwiegend andere Völkerschaften mit all den Segnungen zu beglücken wusste.
- wird fortgesetzt - (Postkolonialismus)
siehe auch:
den aktuellen Themenschwerpunkt (Newsletter Dezember 2024, zwei Schwerter?)