Können Sie sich noch daran erinnern, wie das war, als sie noch an das Christkind glaubten? Es war eine schöne kindliche Freude, und man konnte den Tag kaum erwarten bis es dann wirklich gekommen ist. Diese Freude verschwand, als man allmählich hinter die Fassade zu blicken vermochte. Die Enttäuschung war riesengroß und es war einer der Schritte zum Erwachsen werden. Nein – man kann nicht ewig ein Kind bleiben. Auch das mit dem Jesus ist eine solche Geschichte und wer nicht den Mut hat, die volle Wahrheit darüber zu erfahren, sollte hier nicht weiter lesen!
Gott ist nicht so „brutal“ wie die Menschen und seine Einführung in die Wahrheit erfolgt viel liebevoller d.h. der Christkindl-Schock vollzieht sich hier auf eine andere Weise. Wir sind nicht Gott und so möge der Leser es uns nachsehen, wenn wir es hier „holprig“ treffen sollten. Nun - wir haben schon einige „Auferstehungen“ erlebt und sind in einem stabilen Glauben verankert. Vertraut mit Träumen und verschiedenen Arten von Grenzerfahrungen möchten wir hier eine Episode erzählen, die es wie keine andere auf den Punkt bringt. An einem „bestimmten“ Morgen, schauten wir in den Spiegel. Tief getroffen sahen wir für einige Augenblicke lang nicht uns, sondern ein Bild von Jesus. Es war lange genug, um uns eine klare Botschaft zu übermitteln und um jede flüchtige Täuschung auszuschließen. Ja – Jesus ist nicht irgendwer auf der Welt, sondern jeder von uns trägt das Ebenbild Gottes seines Schöpfers durch Jesus in sich. Jeder von uns ist ein Geschöpf Gottes (Gottessohn), wenn auch in einer sehr unvollkommenen Form. Das Jesus-Bild, das sich ganze Generationen und Kulturen zusammengezimmert haben, ist das, was Gott bei der Erschaffung des Menschen im Paradies dem Adam eingehaucht hat und durch den Sündenfall verschüttet worden ist1. Damit der Geist vom Adam zu seinem Schöpfer zurück kommen kann, muss sich der Geist wieder vom Adam d.h. von der Welt trennen.
1Das mit dem Adam, Paradies, Sündenfall, Engelsturz etc. ist abermals eine Christkindl-Geschichte. Um auch dies zu verstehen muss man noch viel tiefer eintauchen und es soll daher der Adam und alles andere derweilen als Eselsbrücken stehen bleiben. Da könnte man gleich auch noch den Glauben an das Fegefeuer, an Himmel und Hölle, an Dämonen, Teufeln, Feen, gute und böse Geister und noch so einiges mehr – wie überhaupt an das Böse in dieser Welt – anhängen. Es wären bessere Vorstellungen als die gängigen, aber die ganze Wahrheit könnten auch die verbesserten Beschreibungen nicht erfassen. Abgesehen davon, dass diese noch viel weniger vor falschen Auslegungen geschützt wären und manche es so wie bei Jesus interpretieren würden, dass solches alles nur ein Märchen sei.
Die Messias- und Erlöser-Geschichte ist zwar sehr nett und schön, aber letztlich auch nur eine Eselsbrücke. Baruch de Spinoza war nicht ganz daneben. Es gibt nicht nur einen einzigen Jesus, sondern in jedem Menschen ist tief verborgen ein göttlicher Jesus - wie auch auf dem Grund der gesamten Schöpfung, Gott selber ist. Was Kulturen und Religionen von diesem göttlichen Jesus schon ans Tageslicht gefördert haben, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Jesus aus der Bibel ist bis dato wohl das Beste, wenn auch nicht das Einzige, was man diesbezüglich findet. Es ist müßig danach zu fragen, ob der Jesus aus der Bibel nun wirklich gelebt hat oder ob es eine zusammengetragene Geschichte von Erfahrungen von vielen Menschen ist. Der Jesus in der Bibel ist das höchste Kulturgut der Menschheit und beruht, wenn vielleicht auch nicht alles, so doch das Meiste, auf realen Erlebnissen.
Leider wird der Fehler gemacht, dass man diesen Jesus irgendwo konserviert und nicht begreift, dass das göttliche Jesus-Bild täglich weiterlebt und die Bibel daher ein offenes Buch d.h. kein abgeschlossenes Werk ist. Cursillo hat dies als Grundkonzept aufgegriffen, indem man noch nach einem 3-tägigen Kurs, einen vierten Tag anhängt, der die christliche Verwirklichung im alltäglichen Leben ist. Das Grab von Jesus ist offen und trotzdem begann mit der Apostelgeschichte der Bibel die Verpolitisierung und Institutionalisierung des Christentums.
siehe auch:
politischer Jesus I
Osterhase und Jesus oder Kant und Marx
Osterhase und Jesus II
Jerusalem